Perugia – Berlin: Wenn Volleyball der Welt beibringt, was Respekt ist

Perugia – Berlin: Wenn Volleyball der Welt beibringt, was Respekt ist!

So titelte die Lokalzeitung einen Artikel am Tag unseres Auswärtsmatchs gegen Sir Sicoma Perugia. Die Autorin des Artikels nahm Bezug auf einen gemeinsamen Empfang, den uns die Sirmaniaci, der Fanclub des Clubweltmeisters in deren Stammpizzeria bereiteten.

Wochenlange Vorarbeit zwischen unserem Fanclub 7.Mann und den Sirmaniaci endeten in einer ersten Begegnung voller Freundschaft an einem gelungenen Abend, natürlich eine Herausforderung für uns, es den Sirmaniaci gleich zu tun und ihnen ebenso einen schönen und ausgefüllten Aufenthalt hier in Berlin zu bereiten.

Angefangen hat die Initiative eigentlich schon vor 3 Jahren im Chamnpionsleague Viertelfinale. Wir, die damals bereits in Perugia waren, erinnerten uns sehr gerne an das Zusammentreffen mit den Fans zurück. Vor dem Spiel lösten sich aus dem Block der fast 700 Fans umfassenden Gruppe einige Fans und besuchten uns an unseren Plätzen, tauschten mit uns Fanutensilien, es wurden Fotos gemacht und herzlich gegrüßt.

Nach dem Spiel skandierten die Sirmaniaci „Berlino, Berlino“ und wir alle waren damals , trotz der knappen Niederlage, überwältigt von diesen Eindrücken.

Nun drei Jahre später, nahmen wir im Vorfeld des Spiels Kontakt mit der Fangruppe auf. Der Zugang war schnell hergestellt, da der Teammanager Goran Vujevic von Sir Sicoma unsere Anfrage schnellstmöglich an die Fangruppe weitergeleitet hat und wir auch prompt eine Antwort bekamen. Nach anfänglichen Verständigungsproblemen, fanden wir einen guten Weg, effektiv zu kommunizieren. Was wollen wir tun, nur ein einfaches meet and greet, nein, der intensive Kontakt im Vorfeld schaffte einen Rahmen, der etwas besonderes nach sich ziehen musste. Unsere Kontaktpartnerin, die leider zum unserem Auswärtsspiel in Perugia nicht anwesend sein konnte, vermittelte uns an einen Fankollegen, der uns mit ca. 40 weiteren Sirmaniaci einen tollen Empfang im ‚Dolce Vita‘ bei Köstlichkeiten aus Umbrien, Pizza und Pasta bereitete. Zudem wurden wir mit Fanutensilien der Sirmaniaci ausgestattet, das alles bei bester, lautstarker Stimmung.

Gemeinsames Treffen in Perugia    Im Fanblock der Sirmaniaci

Am Spieltag wurden wir dann in den VIP Raum gebeten, hatten dort eine kleine Ecke für uns, mit allen möglichen Getränken ausgestattet, und lernten dort auch den Vereinspräsidenten und dem Verantwortlichen des Hauptsponsors kennen. Die Satzpause nutzten wir, den Sirmaniaci einen Besuch abzustatten. Zuvor wurde uns eine Trommel und ein Megaphon für unseren Support bereitgestellt, die wir im 2. Satz jedoch nicht benötigten. Wir wurden eingeladen bei Ihnen zu bleiben, was wir gerne annahmen und plötzlich waren wir phasenweise am Hallenmikrofon. Nach dem Spiel gab es eine liebevolle Verabschiedung und einige der Sirmaniaci brannten schon darauf, uns in Berlin zu besuchen.

Also gingen wir daran, ein Hallenevent als Rahmenprogramm zu planen, aber nicht nur das, auch der Aufenthalt als solcher wurde zu einem Sightseeing Event. Großzügig gestatte der Verein den megaphonsüchtigen Sirmaniaci ein solches mitzubringen, die Fotografin des Fanclubs wurde mit einer Akkreditierung ausgestattet und ein weiterer Fan erhielt eine Arbeitskarte, die den Zugang in die Halle früher und leichter möglich macht, damit der italienische Fanclub Vorbereitungen treffen konnte. Zudem wurden den mehr als 20 Fans Zugang in unsere Günter Trotz Fanecke ermöglicht, auch dafür besten Dank!

Ab Dienstag trafen dann die ersten Fans in insgesamt 2 Gruppen in Berlin ein, 15 bereits bis zum frühen Nachmittag, 6 folgten am Folgetag und zum Spieltag gesellten sich 2 Fans aus dem Fanclub Curva Norte mit dazu.

            

So begann dann ein Sightseeing durch Berlin am späten Nachmittag des Dienstags bei Schneefall, nicht unbedingt dem Wetter in Perugia entsprechend. Eingemummelt besuchten wir die East Side Gallery, schlenderten auf dem Alex entlang der Weltzeituhr, dem Fernsehturm, weiter Richtung Neptunbrunnen und entlang des Doms und des Lustgartens bis zum Gendarmenmarkt. Die große Gruppe hatte sich ein Hotel am Rosenthaler Platz ausgesucht, den Abend ließen wir dort dann auch austrudeln.

Am Mittwochvormittag dann die Hiobsbotschaft, der gebuchte Besuch der Reichstagskuppel, der eigentliche Höhepunkt des Sightseeing Tages, wurde abgesagt, da die Kuppel aufgrund des neuerlichen Wintereinbruchs geschlossen blieb. Berlin kann Winter. Wir beließen es jedoch bei unserem festen Zeitplan, d.h. Fotoshooting am Checkpoint Charlie, über den Außenbereich des Ausstellungsgeländes der Topographie des Terrors (ebenfalls wegen des Wetters nicht zugänglich), passierten wir den Martin Gropius Bau und das Abgeordnetenhaus zum Potsdamer Platz. Dort besuchten wir neben den Mauergedenksteinen den verschobenen Kaisersaal und konnten die Verschiebung noch als Zeitraffervideo bestaunen. Weiter ging es dann über das Holocaust-Mahnmal, der Gedenkstätte der ermordeten Sinti und Roma, und nach einer Aufwärmpause im Futurium zur Gedenkstätte Berliner Mauer und dann entlang der Bernauer Straße, weiter aufwärts Richtung unseres Volleyballtempels. Ein kleiner Zwischenstopp im Hotel um Fan-angepasst dann weiterzuziehen, führte uns der Weg in unser Stammlokal Meta. Dort trafen wir dann auf die zweite Gruppe und auf einige weitere Fans des 7. Manns.

Die Restaurantcrew war bestens vorbereitet. Gut für unser Zeitfenster, denn aufgrund des hohen Zuschaueraufkommens bei ausverkaufter Halle, wurde die Öffnungszeit um eine halbe Stunde vorverlegt. Einige von uns eilten dann gemeinsam mit einer Vertreterin der Sirmaniaci in die Halle, da es noch einiges vorzubereiten galt, bevor der Zuschauerandrang die Halle füllte. Dieses Mal konnten wir die Sirmaniaci mit einer Trommel ausstatten und sie besuchten unseren Block vor dem Spiel. Wir nutzten dann, wie schon in Perugia, die Pause zwischen dem 1. und 2. Satz, begleitet durch unserem Hallensprecher, zu einem Besuch
im Fanblock unserer Gäste. Wir verteilten Hüte und Käppis in Orange und versorgten sie mit unseren Fanschals.

Es werden Fanutensilien verteilt        Gegenbesuch im Fanblock des 7.Mann    Federica und Max aus Perugia überreichen unseren MVP-Bären

Im Anschluss an das Spiel ließen wir den Abend in unserer Fanecke im Foyer des VIP-Raumes gemeinsam ausklingen. Trotz der Niederlage und des knappen Ausscheidens aus der Champions League, wirklich schlechte Stimmung kam bei uns nicht auf. Ganz offensichtlich genossen unsere italienischen Freunde den Aufenthalt, zwei der Sirmaniaci beteiligten sich  bei der Übergabe der MVP Prämie an Kyle Dagostino und wir wurden von den Sirmaniaci mit deren Megaphon beglückt. Gemeinsame Fotos waren obligatorisch. Die weitere Planung des Folgetags wurde noch kurz umrissen, dann trennten sich unsere Wege nach einem langen Tag, mit dem Wissen, dass wir im CEV Cup auf ein anderes italienisches Team, der sicherlich ebenso starke Mannschaft aus Piacenza treffen werden.

Am Donnerstag war als erstes ein Besuch im Jüdischen Museum auf der Agenda. Sichtlich mitgenommen reagierten einige Fans aufgrund der Eindrücke von der Ausstellung, was wiederum, wie eigentlich bei allem Gesehenen, zu ansprechenden Auseinandersetzungen führte. Leider verließen uns dann die ersten Fans, da die Rückreise nach Rom und die Weiterfahrt nach Perugia anstand. Nach einem kleinen Imbiss ging es dann weiter Richtung Breitscheidplatz zur Gedächtniskirche, die wir sowohl von außen als auch von innen ausgiebig begutachteten. Mittlerweile meldete sich Luca, ein Fan der Fangruppe Lupi Biancorossi aus Piacenza, unseres nächsten internationalen Gegners, der dann mit einem gemeinsamen Selfie gegrüßt wurde. In der großen Gruppe fuhren wir dann zum Schloss Charlottenburg. Dort trennten sich unsere Wege, aber mit einer Gruppe wurde noch ein gemeinsamer Ausklang am Abend vereinbart. Einer der Fans wünschte sich Schweinshaxe, hatte wohl viel davon gehört und so genossen die Fans, bei zünftiger Musik im Hofbräuhaus am Alex, noch etwas bayrische Kultur im Herzen von Preußen.

Was Bleibt? Zitat aus einer WhatsApp Nachricht von Federica, geschrieben am Freitagmittag vom Flughafen BER: „.. ich kann gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich dem Fanclub 7. Mann bin. Wir haben uns so herzlich aufgenommen und verwöhnt gefühlt und waren total begeistert von der tollen, lebendigen und leidenschaftlichen Atmosphäre. Ihr habt ein ganz normales Auswärtsspiel zu einem unvergesslichen Erlebnis gemacht. Die Show war toll und die Unterstützung in Orange einfach fantastisch. Ich bin so froh, diese Berliner Erfahrung gemacht zu haben. Hoffentlich sehen wir uns bald wieder! Das ist Volleyball!! Wir sagen ja immer: unser Sport ist anders!“

Wir, der 7.Mann freuen uns auf ein Wiedersehen mit unseren neuen Freunden aus Perugia, auch wenn wir wiederum den Kürzeren ziehen werden, Wir schauen auf das gemeinsam Erlebte und die freundschaftliche Verbundenheit, die wir teilen konnten und weiter teilen werden. Wir sehen uns wieder.

Der Artikel von Donatella Binaglia aus der Lokalzeitung endete folgendermaßen:

„Heute wird der PalaBarton nicht nur ein Gebäude sein, sondern auch ein wahrer Tempel der Sportzivilisation. Danke Sirmaniaci, danke Berlin. Was auch immer auf dem Platz passiert, wir haben heute alle gewonnen.“

 

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