Ausflug an den Bosporus

Nach der sehr erfolgreich verlaufenen Gruppenphase, ging es nun in die Playoff-12 der Champions League. Das Los bescherte uns mal wieder die Türkei, diesmal die Metropole Istanbul. Natürlich haben sich wieder einige Fans des 7.Mann Gedanken gemacht, unser Team auch dort zu unterstützen. Neben den üblichen Zwängen, wie z.B. frei machen innerhalb der Woche, spielten diesmal verständlicherweise auch Sicherheitsaspekte eine Rolle. Die derzeitige politische Lage ließ dann doch etwas Zweifel aufkommen, ob eine Reise in die Türkei wirklich ratsam wäre. Und kurz vorher gab es dann auch einen Warnhinweis des Auswärtigen Amtes, dass man Menschenansammlungen meiden sollte. Frage also, ist eine Sportveranstaltung eine Menschenansammlung? Nun, aus früheren Spielen unseres Teams in der Türkei wussten wir, dass es dort stets ein großes Aufgebot an Polizei und Sicherheitskräften gibt, und wir somit eigentlich keine Gefahr laufen sollten.

Bernd und Lars in Istanbul

Somit machten sich dann doch zwei eiserne Fans auf den Weg nach Istanbul, Lars und ich.

Es sei jetzt schon erwähnt, dass es überhaupt keinen Grund gab, skeptisch zu sein. Alles war völlig normal, wir wurden noch nicht mal in irgendeiner Form angesprochen.

Zunächst hatten wir allerdings noch mit der Unsicherheit leben müssen, ob wir überhaupt fliegen können, denn das Bodenpersonal befand sich ja im Streik. Aber die Turkish Airlines ist da super auf Zack, denn man hatte kurzerhand eigenes Personal an die Berliner Flughäfen gebracht, und so wurden alle Flüge der Turkish Airlines, während des gesamten Streiks, ordnungsgemäß abgefertigt und flogen pünktlich ab.

Blick auf den Bosporus

Mittwoch früh ging es ab Tegel los, gute zweieinhalb Stunden Flug, und zwei weitere Stunden voraus, um 12:00 Uhr angekommen; dem Zeitunterschied geschuldet. Da das Spiel bereits für 18:00 Uhr angesetzt war, hatten wir keine Zeit, um irgendetwas in Istanbul zu besichtigen, zumal wir einen ziemlich langen Weg bis zum Hotel vor uns hatten. Der Flughafen Atatürk liegt auf der europäischen Seite von Istanbul, das Hotel und die Sportarena jedoch auf dem asiatischen Teil. Und wenn man bedenkt, dass Istanbul fünfzehn Millionen Einwohner hat (offiziell – inoffiziell wahrscheinlich 18-20 Millionen), dann kann man sich über die Entfernungen ein kleines Bild machen. Und so betrug unser Weg ganze 45 Kilometer bis zum Hotel. In der Vorhalle des Flughafens wurden wir natürlich mehrfach auf irgendwelche Shuttle-Services angesprochen. Die Preise begannen bei 90,00 € und fielen dann so nach und nach auf 70,00 €, was uns aber immer noch zu teuer vorkam. Wir also an den normalen Taxistand und beim Fahrer nachgefragt, was denn die Fahrt kosten würde. Er schätzte das auf 110 Türkische Lira, also ca. 28,00 €. Das hörte sich schon anders an, und los ging es, alles offiziell mit Taxameter. Erstaunlich war, dass wir doch recht zügig durch den dichten Istanbuler Verkehr kamen, nach gut 45 Minuten Fahrt waren wir am Ziel. Das Taxameter zeigte genau 107 Lira an, also dieser Taxifahrer verstand sein Handwerk optimal.

Wiedersehen mit LeGoff und den Jungs

Bereits in der Hotellobby konnten wir einige unserer Jungs begrüßen. Ich bezog dann kurz mein Zimmer, denn Lars benötigte keines. Dieser verrückte Kerl übertrifft ja meine Bekloppheit noch um einiges. Da er am Donnerstag um 10:00 Uhr einen wichtigen Termin in Berlin hatte, flog er noch am selben Abend um 23:00 Uhr zurück. Aber nicht nach Berlin, sondern erst nach Köln, dort dann in einem Flughafenhotel ganze vier Stunden Schlaf, um dann am Donnerstag früh um 07:00 Uhr nach Berlin zu fliegen. Chapeau lieber Lars!

Dann natürlich erst mal ein kleines Willkommensbier an der Bar, wobei uns hier allerdings die Preiskalkulation etwas vom Hocker haute. Für eine kleine 0,33 Literflasche (einen Zapfhahn gab es nicht) stolze 6,50 € hinzublättern, dass fetzt. Unseren ersten Schock konnten wir aber dann verdauen, als wir erfreut unseren letztjährigen Mittelblocker Nicolas Le Goff begrüßen konnten, der ja nun in Istanbul spielt, und seinen ehemaligen Kameraden einen Besuch abstattete. Auf unsere Nachfrage erzählte er uns zwar, dass er sich in Istanbul wohl fühlen würde, aber wir hörten eindeutig zwischen den Zeilen, dass dies ganz sicher nicht der Fall ist. Nun, wie dem auch sei, es war sehr schön, mit ihm mal wieder etwas plauschen zu können.

man zeigt Flagge

 

Teambus

Nach einem ausgiebigen Mittagessen, ging es dann auch schon bald los zur Halle, die sich unweit vom Hotel befindet. Die Halle ist eigentlich Teil eines Sportkomplexes, in der mehrere Abteilungen des Vereins sich sportlich und kulturell bewegen. Der Verein Istanbul BBSK wird von der Stadtverwaltung unterhalten, und auch der Sportkomplex gehört der Stadt. Nach deutschen Maßstäben gemessen, ist der Verein so eine Art Betriebssportgemeinschaft. Auf diesen Prämissen baute sich dann auch die Zuschauerstruktur auf. Es wurde kein Eintrittsgeld erhoben, und die Zuschauer waren vermutlich in der überwiegenden Anzahl Vereinsmitglieder. Es waren sehr viele Jugendliche, mit einem großen Anteil an weiblichen Zuschauern. Die offizielle Zahl wurde zwar mit 1.000 angegeben, wir waren uns aber einig, dass es in der Tat etwas 500 – 600 waren.

Florian hatte dankeswerterweise schon alles gut vorbereitet, und so wurden wir dort nett empfangen, und der Manger des Vereins brachte uns dann zur VIP-Tribüne, auf der wir uns ausgiebig breit machen konnten. Eine Fankultur besteht dort gar nicht, und so konnten wir beide uns sehr locker in Szene setzen, und unser Team lautstark unterstützen. Das einzige was die türkischen Zuschauer entgegen zu setzen hatten, war einfallsloses Pfeifen, speziell bei unseren Aufschlägen. Ein Phänomen, das wir ja schon aus früheren Spielen in der Türkei, aber auch aus Russland, kannten.

Unsere Jungs machten ein sehr ordentliches Spiel, und letztendlich haben wir ja einen wichtigen Punkt mitnehmen können. Jedoch war ein Sieg drin, aber leider fehlten ja unserem Trainer die Wechseloptionen, da sowohl Steven, als auch Basti noch an ihren schweren Verletzungen laborieren. Ich will damit keineswegs sagen, das unsere Außen bzw. Tsima schlecht spielten, aber ein Spielerwechsel kann ja doch hier und da einiges bewirken, speziell für Überraschungsmomente beim Gegner sorgen. Und dann hatten wir das „Pech“, das auf der anderen Seite Rouzier auf Diagonal stand. Was der Junge uns um die Ohren gehauen hat, war schon enorm. Ohne den Franzosen hätten die Istanbuler wohl keine Chance gehabt. Wenn es uns im Rückspiel gelingt, Rouzier in den Griff zu bekommen, dann ist mir für den Ausgang des Spieles nicht bange.

Nach dem Spiel ging alles ganz reibungslos. Vor der Halle ein Taxi geschnappt, und für Lars ging es dann flott zum Flughafen. Alles verlief bei ihm planmäßig. Ich bin dann mit der Mannschaft ins Hotel zum Abendessen. Da Basti an diesem Tag seinen Geburtstag feiern konnte, bestellte er eine Runde Bier, obwohl ich ihn „vorgewarnt“ hatte. Aufgrund der eingangs geschilderten Preispolitik, musste der arme Kerl ganz schön in die Tasche greifen.

Nach dem Essen konnte ich mit Felix noch ein wenig an der Bar plauschen, wobei wir uns natürlich hauptsächlich über seinen Abschied vom leistungsbezogenen Volleyball, und seine Zukunftspläne unterhielten.

Polizeieskorte

Nach einem ausgiebigen Frühstück, ging es dann am nächsten Morgen zum Flughafen. Die weite Fahrt dorthin erfolgte mit einer Polizeieskorte, das hat schon was. Diese erwies sich dann auch als sehr wertvoll, denn der Verkehr war um ein vielfaches heftiger und dichter, als am Vortag. Es war schon beeindruckend, was Polizeisirenen so bewirken können. Wir benötigten dann für die Fahrt fast exakt eine Stunde, ohne Eskorte hätte diese garantiert zwei bis zweieinhalb Stunden gedauert.

Pünktlich ging es wieder zurück, und natürlich entwickelten sich schon die ersten Gedanken für die nächste CL-Reise. Inzwischen wissen wir ja, dass mit ziemlicher Sicherheit Dynamo Moskau in der nächsten Runde warten wird. Also auf unserer Russland-Liste stehen ja schon Kazan, Novosibirsk und Surgut, aber Moskau ist noch ein weißer Fleck auf der Volleyball-Landkarte. Also am Dienstag „nur“ ein Sieg, entweder mit 3:0 oder 3:1, oder aber im Golden Set, und dann kann man ja schon mal die Flugverbindungen recherchieren – Grins.

In diesem Sinne – Euer Bernd